Gefahr durch Glyphosat und glyphosathaltige Herbizide?

Grüne Position zu Glyphosat

Glyphosat ist der weltweit meistgenutzte Wirkstoff in Herbiziden (Unkrautbekämpfungsmitteln) und ist ein sogenanntes „Totalherbizid“, d.h. es wirkt gegen alle Pflanzenarten. Entwickelt wurde Glyphosat vom US-Konzern Monsanto, der bis heute Glyphosat-Herbizide unter dem Markennamen „Roundup“ vertreibt. In der Praxis wird Glyphosat nicht als Alleinwirkstoff ausgebracht, sondern in Kombination mit Netzmitteln, welche die Giftigkeit des Herbizids gezielt verstärken.

In den 90er Jahren wurden von Monsanto Sojabohnen und Mais mit Hilfe der Gentechnik so manipuliert, dass sie eine Behandlung mit Glyphosat überstehen. Mit dem Anbau dieser gentechnisch veränderten Pflanzen mit „Herbizidtoleranz“ hat sich in den USA und in Kanada, v. a. aber in Argentinien, Brasilien und Paraguay die ausgebrachte Menge an glyphosathaltigen Herbiziden z. T. um das 14-fache erhöht. Auch in Deutschland und anderen EU-Staaten sind die ausgebrachten Mengen an Glyphosat und glyphosathaltigen Herbiziden in den letzten Jahren um das Fünffache angestiegen.

Glyphosat – alles andere als harmlos

Während Glyphosat lange Jahre als toxikologisch relativ unbedenklich galt, deutet in den letzten Jahren eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Studien auf massive Schäden für Mensch und Umwelt hin. Vor allem in den Soja-Anbaugebieten Südamerikas wird eine extreme Zunahme an Missbildungen bei Neugeborenen, Fehlgeburten, Nierenschäden oder auch verschiedene Krebsarten registriert, die von einigen WissenschaftlerInnen auch auf den massiven Einsatz von Glyphosat zurückgeführt werden. Extrem giftig ist Glyphosat bekanntermaßen für Fische und Amphibien, deshalb wird Glyphosat auch für das weltweite Amphibiensterben mitverantwortlich gemacht.

Glyphosat und Gen-Soja – Schmiermittel der Billigfleischproduktion auch in Deutschland

Deutschland und die EU tragen eine unmittelbare Mitverantwortung für diese Gesundheits- und Umweltschäden. Schließlich wird Glyphosat in Südamerika überwiegend für den Anbau genmanipulierter Soja eingesetzt, die auch nach Deutschland exportiert und v. a. an Rinder, Schweine und Geflügel verfüttert wird. Eine kürzlich vorgestellte Studie des WWF schätzt, dass etwa 80% aller deutschen Soja-Importe aus gentechnisch veränderten Bohnen stammen. Außerdem ist Deutschland „Berichterstatter“ in der EU für Risikobewertung von Glyphosat.

Risiken und Folgen des steigenden Glyphosateinsatzes

Aus der massenhaften Anwendung von Glyphosat im In- und Ausland ergeben sich diverse Probleme:

  1. Die Gefahr von Glyphosatrückständen in Importfuttermitteln und einer Anreicherung dieser Rückstände in den jeweiligen Produkten von Schwein, Rind und Geflügel steigt.
  2. Die Glyphosatanwendung ist auch in Deutschland deutlich angestiegen, u. a. durch bestimmte Formen der„pfluglosen Bodenbearbeitung“ (Mulchsaat). In der konventionellen Landwirtschaft wird dabei häufig die mechanische Unkrautbekämpfung (Pflügen) durch den Einsatz von Totalherbiziden wie Glyphosat ersetzt. Dies geht zu Lasten der sowieso schon stark dezimierten Artenvielfalt bei Ackerwildpflanzen, Insekten und Vögeln und steigert die Gefahr von Resistenzen bei Beikräutern gegen Glyphosat. Durch den häufigen Einsatz von Glyphosat gibt es schon jetzt auch in Europa Unkräuter, die Glyphosat in normaler Dosierung überleben. Diese Unkräuter werden dann mit noch mehr Glyphosat und zusätzlich mit noch gefährlicheren Herbiziden bekämpft.
  3. Durch den steigenden Einsatz von Glyphosat in Deutschland zur gezielten Abreifung von Getreide und Hülsenfrüchten („Sikkation“) werden Glyphosatrückstände zunehmend auch in einheimischen Agrarprodukten nachgewiesen.
  4. Auch auf nicht-landwirtschaftlichen Flächen, z. B. Bahngleisen, in Kleingärten, aber auch vielen kommunalen Flächen werden glyphosathaltige Pestizide verwendet, die man frei in jedem Baumarkt kaufen kann. Kontakt mit Glyphosat, Zusatzstoffen wie Tallowaminen oder deren Abbauprodukten (Metaboliten) findet also nicht „ausschließlich“ über Landwirtschaft und Lebensmittel statt!
  5. Die nahezu allgegenwärtige Präsenz von Glyphosat hat schon jetzt Folgen auch für den Menschen. So wurden Glyphosatrückstände inzwischen sogar im Urin von Bewohnern deutscher Großstädte nachgewiesen. Offenbar wird das Gift über die Nahrungskette aufgenommen. Auch in Gewässern bis hin zum Grundwasser wurde bereits Glyphosat nachgewiesen.
  6.  Anders als bislang angenommen, wird Glyphosat im Boden nicht in wenigen Tagen vollständig abgebaut, sondern fest gebunden. In Tonmineralen und Wurzelrückständen ist Glyphosat so gebunden, dass der Wirkstoff auch nach Jahren noch wirksam werden und die Bodenfruchtbarkeit schädigen kann. Die Anfälligkeit der Kulturpflanzen für Krankheiten nimmt dadurch zu und auch die Erträge können massiv beeinträchtigt werden.

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen setzt sich für eine Landwirtschaft ein, die ohne den Einsatz von Totalherbiziden wie Glyphosat arbeitet.

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Meilensteine der bisherigen parlamentarischen Arbeit zu Glyphosat:

Mit der umfassenden Kleinen Anfrage „Risikobewertung und Zulassung des Herbizidwirkstoffs Glyphosat“ (Bundestags-Drucksache 17/6858, Antwort der Bundesregierung: 17/7168) haben wir die Bundesregierung zur Veröffentlichung zahlreicher Hintergrundinformationen zu Glyphosat bewegt. Mehr zu den Ergebnissen findet sich unter http://tinyurl.com/b8phpo5.

Im Antrag „Vorsorgeprinzip anwenden, Zulassung von Glyphosat aussetzen“ (Drs. 17/7982) fordern wir eine umgehende und umfassende Neubewertung der Toxizität und der Risiken von Glyphosat und eine Aussetzung der Nutzungserlaubnis für glyphosathaltige Pestizide bis zum Abschluss der Neubewertung. Mehr dazu unter http://tinyurl.com/aao6sjz.

In einem öffentlichen Fachgespräch stellte Prof. Andrès E. Carrasco von der Universität Buenos Aires die konkreten Risiken von Glyphosat v. a. für ungeborene Kinder vor. Prof. Carrasco konnte in Studien an Frosch- und Hühnerembryonen nachweisen, mit welchem biochemischen Mechanismus Glyphosat die embryonale Entwicklung von Kopf und Skelett stört, so dass bestimmte Missbildungen entstehen, die in den Gensoja-Anbaugebieten überproportional beobachtet werden und die erschreckende Parallelen zu Beobachtungen in Versuchsreihen zur letzten Zulassung von Glyphosat aufzeigen. Mehr dazu unter http://tinyurl.com/bfcejpj.

In einem weiteren öffentlichen Fachgespräch berichteten Maria del Milagro und Sofia Gatica, Trägerin des renommierten Goldman Environmental Prize, von den verheerenden gesundheitlichen Folgen des massenhaften Pestizid-Einsatzes auf den Gensoja-Feldern in Argentinien und der Rücksichtslosigkeit, mit der diese Mittel von Sprühflugzeugen selbst über Wohnsiedlungen ausgebracht werden. Mehr dazu hierunter http://tinyurl.com/a6objb2.

Auch zu verschiedenen Einzelaspekten der Glyphosat-Problematik haben wir Stellung bezogen oder konkrete Fragen an die Bundesregierung gestellt. Alle Informationen dazu finden Sie unter www.harald-ebner.de (über den Menüpunkt Pestizide oder die Suchfunktion oben rechts zum Stichwort Glyphosat).




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