Ökokatastrophe: Politiker informieren sich über Jagst

Zusammen mit anderen grünen Fachpolitikern hat sich Bundestagsabgeordneter Harald Ebner über die aktuelle Situation an der Jagst informiert. Nach dem massenhaften Fischsterben ist ein einzigartiges Ökosystem in Gefahr. Ein Bericht über die größte Umweltkatastrophe in Baden-Württemberg seit Jahrzehnten.

03.09.15 –



Kirchberg/Jagst - Die drei Umweltpolitiker Thomas Marwein, Bernd Murschel und Daniel Renkonen der Grünen-Landtagsfraktion haben sich gestern bei zwei Vor-Ort-Terminen in Kirchberg-Mistlau und Gerabronn-Elpershofen nach dem massenhaften Fischsterben über die aktuelle Situation an der Jagst informiert. Sie dankten allen Helfern im Namen der Fraktion für Ihren "großartigen Hilfseinsatz" und sicherten Ihnen die Unterstützung der Landespolitik bei der Renaturierung der Jagst zu. Das Gespräch mit dem Haller Vize-Landrat Michael Knaus, Vertretern von Feuerwehr und THW, Fischereiwirtschaft und der Kommunalpolitik wurde von unserem örtlichen Bundestagsabgeordneten Harald Ebner kurzfristig organisiert.

Der Besuch endete mit einer guten und schlechten Nachricht: Die Gute lautet: die Jagst ist trotz des verheerenden Löschwassereintrags mit fischtoxischem Ammonium ökologisch nicht tot. Das habe eine erste Bestandsaufnahme der Kleinlebewesen wie Fliegen und Krebse des Flusses ergeben, berichtete die Gewässerökologin Renate Semmler-Elpers von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) in Karlsruhe. Die schlechte Nachricht überbrachten die Vertreter der Fischereivereine: durch das unkontrollierte Auslaufen des mit Ammonium verseuchten Löschwassers sind in der Jagst insgesamt 16,4 Tonnen Fisch qualvoll verendet. "Wir Fischereivereine stehen vor dem Aus, wenn wir keine Hilfe bekommen. Ich appelliere an Sie als zuständige Politiker und ihre Fraktion, dass Sie uns zügig helfen", betonte Rolf Zieffle, Vorsitzender des Sportfischervereins Eckartshausen.

Nach ersten Schätzungen der Fischereiwirtschaft leben in der Jagst mindestens 25 Fischarten, darunter die seltene Flussbarbe, die Mühlkoppe sowie die Nase. Unter den getöteten Fischen fanden die Angler auch einen rund 1,20 Meter langen Graskarpfen (Weißer Amur). "Wir hätten es selbst nicht für möglich gehalten, was für für ein Artenreichtum in unserer Jagst herrscht", sagte der Erste Landesbeamte Michael Knaus. Das Landratsamt des Kreises Schwäbisch-Hall habe alles getan, um die Betroffenen schnellstmöglich zu informieren. "Nur wir konnten nicht einmal alle Fischpächter erreichen, weil uns viele Adressen gar nicht vorgelegen haben", bedauerte Knaus.

Die Landtagsabgeordneten unserer Fraktion sicherten den Betroffenen Ihre volle Unterstützung zu: "Wir sind nicht gekommen, um Schuldzuweisungen zu betreiben, sondern ihnen unsere volle Solidarität zu bekunden", sagte Daniel Renkonen, Sprecher des Arbeitskreises Umwelt/Energie. Wir müssen nun die Untersuchungen der Fischereiforschungsstelle in Langenargen sowie der LUBW zum Fischbestand abwarten, bevor weitere Maßnahmen beschlossen werden.

Bernd Murschel, Sprecher des Arbeitskreises Ländlicher Raum, forderte, dass landesweit Notfallkonzepte für ähnliche Schadensfälle erarbeitet werden. "Wir müssen auch dafür sorgen, dass keine wassergefährdenden Düngemittel und Pestizide ohne hinreichenden Schutz in der Nähe von Fließgewässsern gelagert werden."

Thomas Marwein, Wasserexperte der Fraktion, verwies auf das novellierte Wassergesetz. Danach dürften in den fünf Meter breiten Gewässerrandstreifen keine Düngemittel verwendet und gelagert werden. "Diese Gesetzesänderung haben wir extra zum Gewässerschutz beschlossen, was uns viel Ärger der Landwirtschaft eingebracht hat."

 

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